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Abb. 1

fortgeschrittene Atrophie der Kaumuskulatur bei einem Malinois

 Atrophie der Kaumuskulatur beim Malinois

Ausschließlich beim Malinois hab ich bislang ca. zehnmal eine ausgeprägte, streng symmetrische Atrophie (Rückbildung) der Kaumuskeln erlebt (Abb. 1). Die Erkrankung beginnt in der Regel mit ca. 3 - 5 Jahren und schreitet sehr langsam voran. Zunächst ist nur der Musculus temporalis (Schläfenmuskel) betroffen. In dieser 1 bis 2 Jahre dauernden Phase sind meist nur geringe Veränderungen, z. B. im Schutzdienst, zu bemerken. Die Atrophie breitet sich innerhalb von weiteren 1 bis 3 Jahren auf den äußeren Kaumuskel (M. masseter) und noch wesentlich später auf die inneren Kaumuskeln (Mm. pterygoidei) aus. Ohne Behandlung können die Tiere nach 2 bis 3 Jahren keinen Effektiven Schutzdienst mehr leisten. Im Endstadium der Erkrankung ist auch die Nahrungsaufnahme erheblich erschwert, so dass die Tiere unter Umständen eingeschläfert werden müssen. Eine ähnliche Erkrankung ist in den USA beim Golden Retriever beschrieben worden.

Als Ursache der Erkrankung vermute ich eine genetisch determinierte Autoimmunerkrankung. Durch eine Kombinationsbehandlung mit Vitamin E, Selen und Anabolika lässt sich der Krankheitsverlauf meines Erachtens erheblich verlangsamen, aber nicht stoppen. Der Therapieerfolg ist bei dieser seltenen Erkrankung allerdings schwer zu verifizieren.

Myositis Eosinophilica

Diese, sicherlich ebenfalls autoimmun-genetisch bedingte, Erkrankung des Deutschen Schäferhundes kommt nur noch extrem selten vor und soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Ich habe sie selber nur einmal vor ca. 15 Jahren bei einem Patienten erlebt. Diese Erkrankung erfolgt in schweren Schüben, die im akuten Stadium zu einer Unfähigkeit des Öffnen des Fanges führen. Im Endstadium kann das Krankheitsbild der Kaumuskelatrophie des Malinois ähneln.

Sonstige Erkrankungen der Kaumuskulatur

Die häufigste Erkrankung der Kaumuskeln stellen sicherlich Abszesse als Folge von Beißereien (auch Anaerobierinfektionen!) oder Fremdkörpererkrankungen dar. Auch Lähmungen durch traumatische Einwirkungen (Schädeltrauma), durch Infektionen (Borreliose, 1 Fall) oder Tumore werden zuweilen beobachtet. Raumfordernde Erkrankungen hinter dem Augapfel (sog. retrobulbäre Prozesse), z. B. durch Tumore oder Erkrankungen der Speicheldrüsen können ein Öffnen des Fanges erschweren bzw. unmöglich machen. Charakteristisch ist hierbei das Hervortreten eines Augapfels beim passiven Öffnen des Fanges in Narkose. Ausrenkungen (Luxationen) eines oder beider Kiefergelenke sowie Kieferfrakturen lassen sich hiervon problemlos abgrenzen.

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Copyright © 2002 OFV Dr. med. vet. Walter Korthäuer
Stand: 07. Februar 2003